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Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern – Goethe

Sommerloch

Ich schon wieder. Mit einem Klassiker. Was sonst. Jeder kennt diesen Klassiker, sei es aus der Schule oder Studium. Entweder ihr hasst ihn oder mögt ihn. Vielleicht findet ihr ihn auch nur langweilig. Eventuell habt ihr auch schon herausgefunden welchen Klassiker ich meine.

Ich stelle euch heute meinen „Lieblingsklassiker“ vor: „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe.
Und ich höre schon das kollektive aufseufzen und Augenrollen und so weiter 🙂 (Und ich höre meine liebe Kollegin und Bloggerin Juliana von Book Experiences auch schon lachend den kopfschüttelt. Die arme musste im Weihnachtsgeschäft durch meine Goethe – Phase. An dieser Stelle noch mal: Es tut mir Leid, aber Klopstock 😉 )

Die Handlung:
Anstatt hier jetzt eine Inhaltsangabe zu schreiben, werde ich einfach Schiller zitieren. Einfach weil es passt, was er über dieses Werk geschrieben hat.

Es ist interessant zu sehen, mit welchem glücklichen Instinkt alles was dem sentimentalischen Charakter Nahrung gibt, im Werther zusammengedrängt ist; schwärmerische unglückliche Liebe, Empfindsamkeit für Natur, Religionsgefühle, philosophischer Kontemplationsgeist, endlich, um nichts zu vergessen, die düstere, gestaltlose, schwermütige Ossianische Welt. Rechnet man dazu,… wie von außen her alles sich vereinigt, den Gequälten in seine Idealwelt zurückzudrängen, so sieht man keine Möglichkeit, wie ein solcher Charakter aus einem solchen Kreise sich hätte retten können.

So weiter gehts im Takt XD Also die folgenden Abschnitte, die jetzt kommen, basieren auf meinem Literatur Skript sowie Notizen aus der Berufsschule. Und ich hoffe, dass es für euch leicht wird, mein Gefasel zu lesen…

Als erstes würde ich total gerne auf die „Epoche“ eingehen. Klar jeder weiß, dass das Werk im „Sturm und Drang“ entstanden ist. Aber habt ihr euch schon mal überlegt oder Gedanken gemacht, wie es überhaupt dazu gekommen ist bzw wieso Goethe über so etwas geschrieben hat?
Die „Sturm und Drang“ Zeit war quasi der Gegenpol zu der „Aufklärung“ und „Rationalistische Frühaufklärung“. Während bei den letzteren eher die Vernunft großgeschrieben wurde, wurden Gefühle sofort verbannt. Denn die Grundgedanken (aus meinem Skript und die vier Stichpunkte, die ich quasi mir einverleibt habe) waren:

  •  Nur die Vernunft entscheidet über Wahrheit und Falschheit von Erkenntnissen
  • Der freie Vernunftgebrauch des Menschen macht ihn frei
  • Kritik an allen autoritätsbezogenen Denkweisen: Der Religion (vornehmlich römisch-katholisch), Aberglauben, feudalen Ständestaat, etc
  • Unabdingbarer Glaube an eine allen Menschen inneliegende Humanität

Zusammenfassend und vereinfacht : Gefühle und Leidenschaft sind Bläh! Nur Vernunft und Tugend sind sexy! (Ok, dass ist immer noch irgendwie witzig XD ) Hier ein kleiner Beleg:

[…] Das ist ganz was anders, versetzte Albert, weil ein Mensch, den seine Leidenschaften hinreissen, alle Besinnungskraft verliert, und als Trunkener, als ein Wahnsimmiger angesehen wird. – Ach ihr vernünftigen Leute! rief ich lächelnd aus. Leidenschaft! Trunkenheit! Wahnsinn! Ihr steht so gelassen, so ohne theilnehmung da, ihr sittlichen Menschen, scheltet den Trinker, verabscheut den Unsinnigen, geht vorbey wie der Priester, und dankt Gott wie der Pharisäer, daß er euch nicht gemacht hat, wie einen von diesen. […] Der Mensch ist trunken, der ist närrisch. Schämt euch, ihr Nüchternen. Schämt euch ihr Weisen. [..]

Aber worauf will ich hinaus? Wie oben erwähnt, waren die Stürmer und Dränger keine Gegenbewegung, sondern ein Gegenpol. Sie waren die Rebellen oder (wie mein Dozent zu pflegen sagte) die erste Jugendbewegung so ähnlich wie Punker. (Ok, dass ist schon ein wenig weit hergeholt, aber es passt irgendwie ) Im Sturm und Drang geht es hauptsächlich um die rauschhafte Erfahrung der Liebe und der Leidenschaft. aber auch in der Kunst und Literatur waren sie die Rebellen: Sie lebten ihre Kunst aus.

[..] Indem sie dem künstlerisch-schöpfenden Akt absolute Autonomie zusprechen, revolutionieren die Genies das herrschende Kunstverständnis. Die Folge dieser künstlerischen Freiheit ist eine noch nie dagewesene Experimentierfreude in allen literarischen Gattungen. [..]

Literatur Skript von Osama Isheiwer, mediacampus frankfurt

Und sie rebellierten nicht nur in der Form, sondern auch gegen vorgegebene Denkweisen

[..] Und auch so! Was soll’s? versezt er ungedultig. ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Mensch so thörigt seyn kann, sich zu erschiessen; der blosse Gedanke erregt mir Widerwillen.
Daß ihr Menschen, rief ich aus, um von einer Sache zu reden, gleich sprechen müßt: Das ist thörig, das ist klug, das ist gut, das ist bös! Und was will das all heissen? Habt ihr deßwegen die innern Verhältnisse einer Handlung erforscht? Wißt ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwikkeln, warum sie geschah, warum sie geschehen mußte? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit euren Urtheilen seyn. [..]

Nun aber genug Interpretiert oder so etwas in der Art. Wieso ich euch das alles aufgeschrieben habe? Vielleicht um Goethe etwas besser zu verstehen in seinen Handlungen. Vielleicht auch, um den Roman endlich zu verstehen, was Werther da eigentlich von uns will. Oder vielleicht alles zusammen.

Was ich euch eigentlich damit sagen möchte: Dieser Roman ist nach all den Jahrhunderten, von seiner Grundthematik (Selbstverwirklichung, Selbsterfahrung,Toleranz, usw.) immer noch „aktuell“.

Aber neben dem ganzen Kritik an der Gesellschaft, geht es vor allem auch um die Liebe. Um die wahre Liebe. Und ja, auch wenn ihr nicht so auf Dramen abfahrt, ist es eine Liebesgeschichte, die einem ans Herz wächst. Sie ist alles und nichts. Sie ist auch biografisch und sehr leidenschaftlich, was allerdings eher zwischen den Zeilen herauskommt. Bestimmt habt ihr euch am Anfang über Klopstock gewundert, nun kläre ich euch mal kurz darüber auf. Klopstock ist sozusagen ein Synonym für Liebe bzw Sex. Und wenn man das weiß, dann weiß man, dass es hier um pure Gefühle und Leidenschaft geht

[…] Sie stand auf ihrem Ellenbogen gestützt und ihr Blik durchdrang die Gegend, sie sah gen Himmel und auf mich, ich sah Auge thränenvoll, sie legte ihre Hand auf die meinige und sagte – Klopstock! [..]

Und wie ihr seht, geht dass nicht von unserem Stürmer und Dränger aus, sondern von ihr. Und ein paar kleine Hinweise zur Benutzung von Klopstock:

  1. Sagt niemals Klopstock zu jemanden, der das in diesem Zusammenhang nicht kennt
  2. Eigentlich soll man Klopstock nicht sagen, sondern hauchen
  3. Niemals Klopstock sagen, außer man ist auf dem mediacampus frankfurt (laut Dozent Ishneiwer)
  4. Wenn ihr außerhalb des mediacampus frankfurt Klopstock sagt, dann generell nur zu Buchhändlern

Ok, kleiner Witz. Aber übertreibt es nicht mit dem Klopstock sagen.

Mein Fazit:
Nachdem ich euch bestimmt gelangweilt habe und ihr einfach zum Fazit gescrollt seid. Ich verübel es euch nicht XD Also ich liebe dieses Buch einfach, weil es so viel mehr ist, als eine Liebesgeschichte. Es ist kritisch, biografisch und man kann Werther irgendwie nachvollziehen. Ich finde es auch äußerst spannend, wie sich Werther so entwickelt, während dieser Zeit. Ich LIEBE dieses Buch einfach, weshalb ich es grad auch nicht in Worte fassen kann. Und weil ich dieses Buch so sehr liebe, habe ich auch DREI Ausgaben davon. (Ja, ich bin ein Freak ^^) Und falls ihr noch irgendwie Lust darauf habt, dann schaut euch den Film „Goethe“ an, denn der ist auch grandios (vor allem man sieht die Klopstock Szene   ^-^ und der Schauspieler ist ganz schnuckelig 😉 )

Ich hoffe, euch gefällt mein komischer Beitrag. Und lasst es mich wissen!

P. S. Fasst vergessen. Es gibt eine Reclam Ausgabe, die „unsere“ Rechtschreibung hat. Falls ihr euch dazu entschließt es zu lesen, aber nicht mit der Fassung mit der „originalen“ Rechtschreibung (mir ist klar, warum ich das in Anführungszeichen setze:D ) Das ist jedenfalls eine Fassung, die ich besitze 😉

P. P. S: Alle Zitate sind aus dem Buch “ Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe aus dem Reclam Verlag

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3 thoughts on “Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern – Goethe”

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